Staatsminister Dr. Markus Söder im Ludwig-Erhard-Gespräch

"Wohlstand für alle - eine Annäherung"

OB Dr. Thomas Jung, Karin Baumüller-Söder, Staatsminister Dr. Markus Söder, Evi Kurz, Prof. Dr. Hanke
OB Dr. Thomas Jung, Karin Baumüller-Söder, Staatsminister Dr. Markus Söder, Evi Kurz, Prof. Dr. Hanke

Vor mehreren hundert Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat Bayerns Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Dr. Markus Söder, am 21. November 2014 zum Thema „Wohlstand für alle – eine Annäherung“ gesprochen. Söder, der auch dem Kuratorium Stiftung Ludwig-Erhard-Haus vorsitzt, betonte dabei, Erhards Lehren seien heute aktueller denn je und könnten einen dritten Weg zwischen extremem Kapitalismus einerseits und staatlichem Dirigismus andererseits weisen.

„Ich bin überzeugt, dass uns Ludwig Erhard auch bei unseren heutigen Problemen enorm helfen kann“, so Söder bei der Veranstaltung, die im Fraunhofer Entwicklungszentrum für Röntgentechnik in Fürth stattfand. Im Hinblick auf die international kontrovers diskutierte Frage, weiter Schulden zu machen oder diese lang- und mittelfristig abzubauen, forderte der bayerische Finanzminister die deutsche Politik auf, „auch jetzt den Kurs zu halten und mit allen Schiffen in eine Richtung zu steuern, auch wenn es manchmal schwierig ist.“

OB Dr. Thomas Jung, Evi Kurz, Thomas A.H. Schöck
OB Dr. Thomas Jung, Evi Kurz, Thomas A.H. Schöck

Immer wieder griff er bei seinen Ausführungen zur aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation auf Ludwig Erhard und dessen Soziale Marktwirtschaft zurück. Dieses Konzept sei in seiner Anfangszeit keineswegs so unumstritten gewesen, wie es heute in der Rückschau erscheinen mag.

„Aber dieses Modell hat funktioniert, weil Ludwig Erhard Kurs gehalten hat“, sagte Söder, „seine Gelassenheit wäre dabei auch heute nötig.

Seine fränkischen Landsleute forderte er derweil auf, selbstbewusster aufzutreten und nicht ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Aus einer Strukturschwäche heraus habe sich der Großraum Nürnberg im Bereich Technik und Wirtschaft zu einer der der dynamischsten Regionen der Bundesrepublik entwickelt. „Wenn ein Franke sogar Bundeskanzler kann, lässt das ja für die Zukunft hoffen“, meinte Söder augen-zwinkernd mit Blick auf den 1897 in Fürth geborenen Erhard

Der hatte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der D-Mark eine feste Währung geschaffen – für Söder eine Grundlage des Wirtschaftswunders. In der Eurokrise würde Er-hard die Sparpolitik unterstützen, glaubt Söder: „Hier gelten noch die gleichen Prinzipien wie damals: nicht mehr Geld auszugeben als man einnimmt und Strukturreformen einzuleiten statt immer weitere Schulden zu machen.“ Die EZB müsse eher eine Bundesbank werden und keine Federal Reserve. In Zeiten von Steuereinnahmen in Rekordhöhe hätte auch Ludwig Erhard gesagt, der Staat müsse lernen Maß zu halten und in die Zukunft investieren statt auf Kosten der nächsten Generation zu konsumieren.

Zwar stehe Deutschland in Europa wirtschaftlich gut da, doch müsse die Bundesregierung nun den Fokus auf Wachstum legen „und nicht mehr nur Gerechtigkeitslücken schließen.“ Die mittelständische Wirtschaft dürfe nicht mit Regulierungen des Arbeitsmarkts belastet werden, die zum Teil hinter die Reformen der Agenda 2010 zurückfielen – etwa im Bereich der Zeitverträge. Und damit bei den Angestellten mehr vom wirtschaftlichen Erfolg ihrer Arbeitgeber ankommt, müsse endlich die kalte Progression beseitigt werden. „Leistung muss sich lohnen, denn Wohlstand für alle gibt es nur über Leistung.“

Evi Kurz, die Vorsitzende des Ludwig-Erhard-Initiativkreises, dankte Dr. Söder „für eine brillante Lehrstunde, die Sie uns geboten haben.“ Die Rede des bayerischen Finanzministers habe deutlich gemacht, dass Ludwig Erhard nicht nur eine Person der Geschichte sei, sondern bis in die Gegenwart wirke. Mit dem entstehenden Ludwig-Erhard-Zentrum in der Fürther Innenstadt werde dessen Erbe und wirtschaftliche Leitlinien weiter in die Zukunft getragen – auch und vor allem für junge Menschen, spielerisch und nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Dr. Markus Söder bekommt von Evi Kurz, der Vorsitzenden des Initiativkreises eine Kopie der Fürther Erhard-Büste aus Plexiglas überreicht, die die Firma Tabrizi gefertigt hat. Im Anschluss hatten die Gäste Gelegenheit, an einer Führung durch das Fraunhofer Röntgeninstitut teilzunehmen. 

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